29. November 2021

Wenn Familien lange zusammen sind und wenig Ausweichmöglichkeiten haben, können schon länger bestehende Konflikte ausbrechen. Kommt dann noch Stress dazu, kann es auch zu gewaltsamen Entladungen kommen. Der Polizei ist das schon lange aus der Weihnachtszeit bekannt, wo sich die Anzeigen häufen.

Darum haben viele Fachleute erwartet, dass es nun auch zu einem Zuwachs an Gewalt kommen wird. Doch die Datenlage gibt das bislang nicht her. Im Gegenteil: Im Zeitraum vom 1.3.2020 bis zum 5.4.2020 sind die Anzeigen bei der Polizei wegen häuslicher Gewalt in NRW um 29 Prozent zurück gegangen.

Allerdings haben Sofortnachrichten über das Internet an entsprechende Hilfsstellen in ganz Europa zugenommen. Diese Tatsache könnte bedeuten, dass Opfer sich nicht trauen, im Beisein ihres Peinigers zu telefonieren. Am Computer geht der Hilferuf unauffälliger ein. Die Anzeigen könnten auch zurück gegangen sein, weil die soziale Kontrolle weggefallen ist, seit Schule und Kita geschlossen haben. Bei eingeschränkter Öffentlichkeit werden Verletzungen auch weniger bemerkt.

Das tatsächliche Ausmaß von Gewalt wird erst sichtbar, wenn die Kontaktsperren aufgehoben werden. Aus Wuhan gibt es bereits diese Daten. Die dortige Frauenrechtsorganisation Weiping registrierte dreimal so viele Opfer von häuslicher Gewalt in der Zeit der Ausgangssperre. Etliche Frauen reichten anschließend die Scheidung ein.

Was kann man tun, damit es nicht so weit kommt?

Seien Sie nachsichtig mit sich und den anderen. Legen Sie nicht jedes Wort auf die Goldwaage. Weihnachten ist auch deshalb so schwierig, weil alle Harmonie und Heile Welt erwarten. Das lässt sich aber nicht lange durchhalten.

Schaffen Sie sich einen Rückzugsraum. Das kann auch mal das Badezimmer, der Hobbykeller, der Garten oder der Balkon sein.

Reden Sie über das, was Sie ängstigt, stresst und frustriert. Sonst erzeugt Frust schnell Aggression.

Bleiben Sie in Kontakt mit anderen Personen über Telefon oder Internet. Ihr Partner kann nicht alle Bedürfnisse erfüllen, und manches versteht ein anderer eventuell besser. Das können gute Freunde oder Personen aus der erweiterten Familie sein. Sie können sich aber auch an unsere Beratungsstelle wenden oder andere Not-Telefonnummern, die auf unserer Homepage angegeben sind.

Trinken Sie nicht uneingeschränkt Alkohol. Bei vielen senkt Alkohol die Hemmschwelle und die Impulskontrolle. Der Konsum von Alkohol erhöht nachweislich das Risiko, als Opfer oder Täter mit Gewalt in Berührung zu kommen. Zwar verringern sich Angstgefühle, doch auch die Fähigkeiten zur Konfliktbewältigung.

Bewegen Sie sich. Durch Bewegung wird Stress abgebaut. Es ist das beste Mittel, um herunterzukommen. Viele mögen es, durch die Natur zu gehen. Das erdet und hilft gegen das Gefühl, eingesperrt zu sein. Die frühlingshaft knospenden Blätter und Blüten machen beruhigend sichtbar, dass das Leben weiter geht. Und bislang strahlt die Sonne dazu. Für Regentage bietet das Internet gerade zur Corona-Zeit etliche kostenlose Anleitungen, um sich zu bewegen. Für Erwachsene und auch für Kinder.

Auch wenn bei Ihnen selbst alles in Ordnung ist, können Sie helfen. Achten Sie auf Ihre Nachbarn. Wenn Sie Anzeichen von Gewalt bemerken, zögern Sie nicht, Hilfe zu rufen. Das gilt erst recht, wenn Sie selbst betroffen sind! Die Polizei kann den Täter der Wohnung verweisen und ein gerichtliches Näherungsverbot für Sie bewirken. Nähere Auskunft erteilt auch der Weiße Ring mit dem Opfer-Telefon 116006 von 7 bis 22 Uhr oder (auch anonym) online unter www.weisser-ring.de/corona.

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