29. März 2022

Mit Kindern über den Krieg reden bedeutet für uns Erwachsene eine besondere Herausforderung nach den schwierigen Zeiten durch Corona. Auch dadurch sind wir alle sehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Aber es ist vielleicht von großer Bedeutung, wie wir in solchen Phasen Kräfte entwickeln können, die uns durch krisenhafte Zeiten führen können

Informationen und Nachrichten

Der Krieg in der Ukraine ist für viele Menschen ein erschreckendes Geschehen. Was haben Sie darüber erfahren, welche Informationen haben sie darüber erhalten und woher habe Sie diese?

Wie reagieren Ihre Kinder darauf? Was wissen sie über den Konflikt, welche Fragen haben sie dazu?

Grundsätzlich sollten Sie sich von dem leiten lassen, was Ihre Kinder wissen wollen und was sie äußern – und dann entsprechend darauf eingehen. Drängen Sie ihren Kindern keine Gespräche auf, sondern achten Sie auf deren Signale, um darauf einzugehen. Nehmen Sie sich Zeit für Gespräche, tun Sie das nicht so mal eben zwischendurch. Dabei ist es gut, wenn Sie dadurch in Erfahrung bringen, woher Ihre Kinder Infos bekommen. Handelt es sich um seriöse Quellen, oder werden sie dadurch besonders beunruhigt? So können Sie bei Bedarf auch Einfluss nehmen auf die Wahl der Medien für die Kinder.

Altersgerechte Information

Information hilft, eine Situation besser einschätzen zu können und dadurch können die Ängste verringert werden.

Mit jüngeren Kindern können Sie sich kindgerecht informieren bei Zeit Leo, bei logo! von ARD oder ZDF, bei Dein Spiegel oder im Kika. Aber schauen Sie, wann es genug ist. Lassen Sie nicht die Nachrichten für Erwachsene im Beisein jüngerer Kinder laufen. Die Bilder von verzweifelten Menschen und brennenden Häusern prägen sich ein und machen Angst. Neben dem Recht auf Information haben Kinder auch ein Recht auf Schutz. Sagen Sie auch deutlich, dass der Krieg nicht in unserem Land ist!

Ab 13 oder 14 Jahren können Sie auch gemeinsam mit Ihren Kindern Nachrichten anschauen. Dann haben Sie im Blick, was die Kinder erfahren, aber auch, wie sie darauf reagieren. Auch für Sie kann es hilfreich sein, sich vielleicht nur eine oder zwei seriöse Informationsquellen auszusuchen, um nicht von den Nachrichten überwältigt und überfordert zu werden.

Gefühle und Wahrnehmungen beachten

Zunächst einmal möchten wir Ihnen Mut machen, achtsam für Ihre eigenen Emotionen zu sein.

Sind Sie selbst verängstigt von den Bildern und Kriegsberichterstattungen? Weckt das Geschehen vielleicht sogar eigene Erfahrungen? Oder haben Sie Sorge um Menschen, die Sie kennen?

Ihre Kinder werden das sowieso bemerken und es wird sie verunsichern. Für Kinder sind die Eltern der Indikator, ob eine Situation gefährlich ist. Bemühen Sie sich um Offenheit und erklären Sie ggf., warum Sie auch selbst besorgt oder traurig sind, damit die Kinder Ihr Verhalten angemessen einordnen können.  Kinder sollten wissen, dass sie sich in ihrer Wahrnehmung nicht getäuscht haben. Nur wenn Sie selbst sehr starke Ängste haben, sollten Sie diese nicht ungefiltert Ihren Kindern erzählen. Besser wenden Sie sich damit an einen erwachsene Freunde oder suchen Sie sich dafür professionelle Hilfe.

Was brauchen Sie und Ihre Kinder in dieser belastenden Situation?

Wenn sich unsere Gefühle zeigen, melden sich durch auch unsere Bedürfnisse. Das ist hilfreich, gerade wenn es um belastende Emotionen geht. Was sagt mir dieses Gefühl, was brauche ich? Versuchen Sie das für sich herauszufinden, aber ebenso für die Kinder. Brauchen sie Zuwendung, Trost, Nähe, vielleicht Sicherheit? Brauchen sie Kontakt, Austausch, Ablenkung, Entspannung? Oder auch Schutz, Distanz, Abgrenzung, Rückzug? Brauchen sie Klarheit, um der Hilflosigkeit Herr zu werden? Welche Informationen sind hilfreich, welche irritieren nur? In welcher Form kann der Austausch mit anderen unterstützend sein?

Den Blick auf Positives und Hoffnungsvolles lenken

Berichten Sie Ihren Kindern auch davon, wieviel Hilfsbereitschaft und Unterstützung es für die Menschen in der Ukraine gibt, um die Not zu lindern. Dazu gehören Spenden, die Rettungsdienste, medizinische Versorgung, die Bereitstellung von Fahrdiensten und Unterkünften. Sowohl bei uns als auch in den kriegsbeteiligten Ländern gibt es Menschen, die sich deutlich gegen den Krieg und damit für den Frieden äußern. Zahlreiche Länder auf der ganzen Welt haben sich zusammengeschlossen und versuchen der Ukraine zu helfen und den Krieg zu stoppen. Und viele versuchen mit Putin darüber zu reden. Diese Krise ist zwar schlimm, doch sie schafft Gemeinschaft und Zusammenhalt.

Was können Sie tun?

Um aus dem Gefühl der Angst und der Hilflosigkeit herauszukommen, ist es wichtig, dass wir handlungsfähig bleiben. Das tut uns allen gut, da wir uns wieder als wirksam erleben. Schon kleine Rituale können helfen, z.B. eine Kerze anzünden, für den Frieden beten, gemeinsam zu einer Friedensdemonstration gehen, die Kinder beim Ausfüllen einer Spendenüberweisung beteiligen, Möglichkeiten der Streitschlichtung aufzeigen, einen Brief schreiben an Beteiligte (Institutionen), sich am Zeit Leo-Projekt beteiligen: werde zum Friedensmaler. Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt.

Sollten Sie in Situationen kommen, wo Sie sich überfordert fühlen mit dem Austausch oder der Einschätzung ihrer Kinder, möchten wir Sie ermutigen, sich an unsere Beratungsstelle zu wenden, um weitere Möglichkeiten abzuklären, die hilfreich für alle Beteiligten sind.

Ein Beitrag von Iris Welter und Peter Goldstein

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