7. Oktober 2021

Gerade in Zeiten von Corona verbringen Familien viel Zeit auf engem Raum Zuhause. Das führt schnell zu Streit und Auseinandersetzungen. Hier ein paar Anregungen wie Sie einer Eskalation vorbeugen können. Wenn sich ein Streit anbahnt:

Ruhe bewahren – Time-Out

Gehen Sie erst mal getrennte Wege, bis sich die Wogen etwas geglättet haben. Nehmen Sie sich Zeit zum Nachdenken. Im Gegensatz zu der gängigen Meinung müssen Sie bei einem Konflikt mit den Kindern nicht immer sofort mit Maßnahmen reagieren, zu schnell reagiert man über und verschlimmert dadurch die Situation.

Wie nutze ich ein Time-Out?

Atmen Sie durch, suchen Sie sich ein ruhiges Plätzchen oder gehen Sie spazieren.

Führen Sie Gespräche mit ihren Kindern

Verabreden Sie sich mit Ihrem Kind, wenn Sie sich beruhigt haben. Fordern Sie ein, dass dieses Gespräch gegenüber anderen Dingen Priorität hat. Machen Sie einen Unterschied zwischen den Handlungen Ihres Kindes und seiner Person. Betonen Sie zunächst: „Du bist uns wichtig, Du gehörst zu uns, wir kämpfen um dich nicht gegen dich. Aber: Bestimmte Verhaltensweisen von Dir können wir nicht mehr akzeptieren!“ (Beispiele). Benennen Sie das Problem, den Konflikt.

Hilfreich kann es dabei sein, als Lösung des Problems nicht direkt eine bestimmte Handlung einzufordern, sondern von ihrem Kind einen Vorschlag und Beitrag zu einer Lösung zu erwarten.

Benennen Sie die Bedürfnisse Ihres Kindes

Benennen Sie die Bedürfnisse Ihres Kindes, die Sie im „Time-Out“ gefunden haben. Auch sollten Ihre Wünsche Ihrem Kind gegenüber mit den konkreten Aufgaben, die Sie von Ihrem Kind erwarten, in Zusammenhang stehen.

Haben Sie ein klares Vorgehen

Hören Sie sich noch einmal an, was Ihr Kind dazu zu sagen hat und versuchen Sie zu verstehen, worum es ihm geht. Sie leisten in gewisser Weise gewaltfreien Widerstand gegenüber bestimmten destruktiven Verhaltensweisen, die das Kind zeigt, nicht gegen das Kind selbst. Es geht nicht darum, in den Kampf zu gehen, sondern für sich und Ihre Werte einzustehen. Lassen Sie sich nicht in langwierige Diskussionen verwickeln, die Ihre Ansichten infrage stellen, sondern benennen Sie diese und warten Sie auf praktikable Vorschläge Ihres Kindes. Oft hilft ihr schweigendes Erwarten viel mehr, als immer wieder und weiter zu argumentieren. Wenn das Kind nicht darauf eingeht, machen Sie klar: „Ich werde mir überlegen, was ich jetzt tun werde.“, bzw. „Wir werden uns überlegen, was wir jetzt tun werden.“


Bitte beachten Sie, dass Sie Ihre Überlegungen und Maßnahmen nicht als Strafe, sondern als konstruktiven Beitrag aussprechen werden. Suchen Sie sich die Unterstützung von anderen Menschen oder Institutionen, denen Sie vertrauen oder die Erfahrung mit den Themen haben.

Wichtig: Viele Eltern schämen sich, wenn sie scheinbar unlösbare Konflikte mit ihren jugendlichen Kindern haben. Sie haben oft den Eindruck, versagt zu haben und reden daher nicht mit Anderen über diese Schwierigkeiten. Sie sind verantwortlich für das, was Sie Ihren Kindern deutlich machen. Sie sind jedoch nicht dafür verantwortlich, dass alles eins zu eins umgesetzt wird. Seien und bleiben Sie beharrlich dabei, Vorschläge von Ihrem Kind für eine Lösung hören zu wollen. Das, worum es Ihnen meist geht, hat mit Werten und Regeln zu tun, die nicht nur persönlich sind, sondern mit Gemeinschaft verbunden sind. So ist es auch folgerichtig, dass Ihre Kinder auch bei der Lösung der Probleme beteiligt ist.

Dadurch ist auch Ihr Konflikt mit Ihren Kindern von der rein persönlichen Ebene auf die soziale Ebene verlagert. Sie sind nicht mehr alleine und das verstärkt Ihre Anliegen. Der Vorwurf Ihres Kindes „Du bist gemein“ oder „Du bist ungerecht“ ist auf der sozialen Ebene nicht mehr so leicht aufrecht zu erhalten.

In Zeiten von Corona können moderne Hilfsmittel wie Smartphone und PC (z.B. Skype) sehr hilfreich sein: „Ich habe da gerade Onkel…am Telefon (auf laut stellen), der möchte Dir dazu auch mal etwas sagen…“ Wie gesagt, es geht nicht darum, Ihr Kind unter Druck zu setzen – die Dazu-Geholten sollten Ihrem Kind nur auch deutlich machen, dass sie sich um es bemühen und es ihnen ebenfalls wichtig ist.

Wir möchten Sie ermutigen, Ihren Kindern gegenüber Präsenz zu zeigen, indem Sie für Ihre Überzeugungen und Anliegen eintreten. Sie leisten Widerstand gegen deren destruktives Verhalten und versuchen, Ihre Kinder dazu zu gewinnen, sich daran zu beteiligen und konstruktive Alternativen aufzuzeigen. Ihre Beharrlichkeit und Ihre Präsenz gegenüber Ihrem Kind macht oft mehr aus, als noch mehr oder immer stärkere Sanktionen, die den Konflikt nur noch verschärfen.

Sollten Sie einmal die Geduld verloren haben oder sich zu etwas hinreißen lassen haben, was Sie später bereuen, entschuldigen Sie sich bei Ihrem Kind. Sie verlieren nicht Ihr Gesicht, wenn Sie das tun, sondern im Gegenteil: Sie zeigen ihm, dass man auch seine Fehler zugeben kann – das ist ein Weg aufeinander zu und verbindet, anstatt zu trennen.

Wir wünschen Ihnen Mut, in derart schwierigen Situationen etwas Neues auszuprobieren, auch nach dem Motto:

Höre auf mit dem, was in der Vergangenheit nicht funktioniert hat und mache mehr davon, was gut funktioniert.

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